Übersetzungsanforderungen für die EU-Maschinenrichtlinien

Übersetzungsanforderungen für die EU-Maschinenrichtlinien

Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht mit der Europäischen Union konfrontiert wird. Gerade in der Wohnstadt Barcelona lebt eine beeindruckende Anzahl von Einwohnern mit unterschiedlichen EU-Nationalitäten und trotzdem kommen die verschiedensten Produkte aus anderen europäischen Ländern. Die Grundsätze der Union zeigen aber auch, wie wichtig und einflussreich sie für den freien Personen- und Warenverkehr innerhalb und zwischen den Mitgliedsstaaten sind.

Der freie Warenverkehr hat den Export von Produkten in andere Mitgliedstaaten für europäische Unternehmen durchaus sehr interessant gemacht. Trotz diversen Bestimmungen, die diese Ausführungen regeln, hat sich das Marktpotenzial für EU-Hersteller vervielfacht.  In diesem Blogbeitrag werden besonders die spezifischen Vorschriften behandelt, die die Einführung von Produkten aus EU-Märkten regeln: die sogenannte Richtlinie 2006/42/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschinenrichtlinien. Diese Veröffentlichung löste die Fassung von 1998 ab, die wiederrum der Nachfolger von der ersten in Kraft getretenen Maschinenrichtlinie von 1995 ablöste.

Die Maschinenrichtlinie der EU verfolgt folgende zwei Ziele:

Förderung des freien Verkehrs von Maschinen im Binnenmarkt

Garantie für ein hohes Schutzniveau für Arbeitnehmer und Bürger der EU:

Diese Richtlinie gilt nicht nur in allen EU-Ländern, sondern auch in Island, Norwegen, der Schweiz und in der Türkei.

Der aktuelle Text, welcher 2006 genehmigt wurde, ist Ende 2009 für alle Maschinen , die nach diesem Datum in Verkehr gebracht beziehungsweise in Betrieb genommen wurden, realisiert worden.  Um es einfach zu sagen, gilt diese Richtlinie auch für Hersteller außerhalb der EU, die ihre Produkte in einem oder mehreren EU-Ländern einführen wollen. Hingegen für Maschinen, die in der EU hergestellt werden, aber außerhalb der EU bestimmt sind, gilt diese Richtlinie nicht.

Was ist die Definition der EU-Maschinenrichtlinie?

Um welche Produkte handelt es sich? Mit einigen Ausnahmen wie zum Beispiel die Automobile, Haushaltsgeräte und einige mehr, bezieht sich der Begriff „Maschine“ auf eine Reihe von Komponenten. Diese sind für einen bestimmen Zweck zusammengesetzt, wobei sich mindestens eine davon bewegt und mit einem Antriebssystem ausgestattet ist, welches mit einer anderen Energieform angetrieben wird.

Artikel 5, bei dem die beiden Ziele klar miteinander verbunden sind, besagt: „Bevor einer Inbetriebnahme einer Maschine beziehungsweise vor dem Inverkehr muss der Hersteller oder sein Bevollmächtigter erforderliche Informationen, wie zum Beispiel Anweisungen, zur Verfügung stellen. Einerseits weiβ der Hersteller dadurch, was er tun muss, um die Maschinen innerhalb der EU bewegen zu können und andererseits beinhaltet sie spezifische Anweisungen zum Schutz der Bediener. Es ist wichtig, dass diese Verpflichtungen zum Zeitpunkt des Inverkehrs , das heiβt bei der Übergabe vom Hersteller an den Händler, erfüllt werden müssen.

Welche Informationen und Dokumente müssen nach der EU-Maschinenrichtlinie bereitgestellt werden?

Erstens besteht die Verpflichtung, wesentliche Informationen und Warnhinweise selbst auf dem Produkt anzubringen, wie zum Beispiel der Firmenname und die Adresse vom Hersteller, die Bezeichnungen der Maschine, die CE-Kennzeichnung, die Bezeichnung der Serie oder des Typs, die Seriennummer und das Baujahr. Außerdem müssen alle wesentliche Aspekte der sicheren Verwendung in Form von klaren und einfachen Symbolen oder Piktogrammen beinhaltet sein. Des Weiteren müssen schriftliche oder mündliche Informationen in einer oder mehreren der offiziellen EU-Sprachen ausgedrückt sein.

Digitale oder gedruckte Dokumentation?

Unabhängig davon, wie groß eine Maschine ist, ist es natürlich unmöglich alle relevanten Informationen auf dem Produkt selbst anzubringen. Deshalb ist es Pflicht, eine Bedienungsanleitung zu haben, entweder in physischer (Papier) oder in digitaler Form. Auch wenn es kein spezifisches Format für die Bedienungsanleitung gibt, wird die gedruckte Version empfohlen, da nicht alle Betreiber, die mit Maschinen arbeiten, einfachen Zugang zu einem digitalen Informationsträger (PC, Laptop, Tablet usw.) haben.

Trotzdem entwickelt sich der Trend zur Digitalisierung und immer mehr Unternehmen stellen Tablets oder großflächige Smartphones zur Verfügung, um auf Papier zu verzichten. In der Regel ist es aber immer noch üblich sowohl eine Papierversion, als auch eine digitale Version zu besitzen.

Laut Anhang l der Richtlinie muss die Betriebsanleitung nicht nur den „bestimmungsgemäßen Gebrauch der Maschine“ abdecken, sondern auch einen „vorhersehbaren Missbrauch“ beinhalten. Es gibt eine lange Liste an obligatorischen Informationen, die aufgenommen werden sollen. Wie zum Beispiel zum Thema Montage, Anschlusshinweise, Schutzmaßahmen, Betriebsarten und vieles mehr.

Welche EU-Sprachen?

Über die Sprache der Anleitung beinhaltet der Artikel 1.7.4 (Anhang l) zwei Grundregeln. Erstens müssen die Anweisungen der Maschinen in der oder den Amtssprachen des Landes beigefügt werden, in denen sie in den Verkehr gebracht werden sollen.

Was passiert in den Ländern mit mehr als einer EU-Amtssprache? Das hängt von dem jeweiligen Land ab, in Zypern, Malta und Irland wird ausschließlich Verwendung der englischen Sprache akzeptiert. Hingegen Belgien und Finnland mit drei beziehungsweise zwei EU-Amtssprachen akzeptieren die Verwendung einer Sprache nur in Gebieten, in denen nur diese eine Sprache gesprochen wird.

Wenn zum Beispiel eine Maschine für die zweisprachige Region Brüssel bestimmt ist, müssen die Anweisungen daher sowohl auf Französisch als auch auf Niederländisch sein.

Das Konzept der Originalanleitung der EU-Maschinenrichtlinie

Die zweite Regel ist, dass Maschinen immer mit einer Originalanleitung versehen sein müssen. Diese sind in diesem Zusammenhang vom Hersteller oder seinem Bevollmächtigten überprüft worden. Ein Beispiel, um es zu verdeutlichen: wenn eine Anweisung in Englisch verfasst wurde und dann vom Hersteller geprüft wurde, handelt es sich hierbei um die Originalanleitung. Falls die Maschine dann aber zum Beispiel in Polen auf den Markt gebracht wird, hat der Hersteller zwei Möglichkeiten. Der erste Weg liegt darin, dass er die englische Anleitung gemeinsam mit einer polnischen Übersetzung zur Verfügung stellt.

Und die andere Möglichkeit wäre, dass der Hersteller beziehungsweise sein Bevollmächtigter in Polen die polnische Version überprüft. Auf diese Weise erhält die polnische Version den „originalen“ Status und übernimmt somit die Verantwortung für etwaige Diskrepanzen zwischen der deutschen und polnischen Version. Einige Übersetzungsdienstleister bieten nicht nur beglaubigte Übersetzungen an, sondern übernehmen auch die Verantwortung für mögliche Schäden.

Einhaltung der EU-Maschinenrichtlinie

Eine Entscheidung über die beste Sprachstrategie ist komplex und erfordert eine gute Planung. Außerdem nimmt es auch sehr viel Zeit in Anspruch, unabhängig von der Strategie. Die Übersetzung muss zu einem früheren Zeitpunkt geschehen, da die Anweisungen die Maschinen bei der Markteinführung begleiten müssen. Soll dazu die Übersetzung verifiziert werden, um als „Originalanleitung“ verwendet werden zu können, wird noch mehr Zeit benötigt.

Da die Druckkosten bei Betriebsanleitungen sehr hoch sein können, ist es sinnvoll, sich nach der Notwendigkeit zu erkunden. Wenn sich Ihr Kunde für die digitale Variante entscheidet, kann dies für Sie kostensparende Folgen haben! Falls bei der Lieferung von Original- und übersetzten Anleitungen eine ausgedruckte Form erforderlich ist, ist es von Vorteil, die Version nur in der Landessprache auszudrucken und die Originalanleitung nur digital zu liefern.

Haben Sie bereits interessante Erfahrungen mit der Anwendung der EU-Maschinenrichtlinie gemacht?

Oder sind Sie manchmal mit Problemen konfrontiert bezüglich der Verpflichtungen der EU-Maschinenrichtlinie?

Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zuhören!

By | 2018-11-09T15:05:31+00:00 November 5th, 2018|Blog|

About the Author:

Key Account Manager Having studied functional linguistics and translation, it should come as no surprise that Adriaan has dedicated most of his professional life to languages, whether as a translator, a publishing assistant or, covering various in-house roles at language service providers. As Key Account Manager at Arancho Doc, Adriaan aims to optimize processes and develop new services for various multinationals. Outside the office, he spends most of his time cooking, listening to his vinyl collection or trying to serve his A game on the tennis court.

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